Pacton entwickelt Winterdienst Auflieger mit Schneepflug für Schweizer Straßenbetreiber

3 März 2025

Pacton Trailers B.V. aus Ommen entwickelt gemeinsam mit dem Schweizer Straßenbetreiber NSNW einen Aufliegerseitenpflug (ASP) mit einem einfach anzukuppelnden, hydraulisch bedienbaren Schneepflug. Der Seitenpflug wird an einem Auflieger befestigt und hat eine Länge von 5.5 Meter. Dadurch können mit der Räumkombination zwei Fahrbahnen auf einmal geräumt werden. Nach dem Test eines Prototyps in der Praxis im vergangenen Winter wird in diesem Herbst in der Schweiz ein zweiter Salzstreuerauflieger mit Seitenpflug in Betrieb genommen.

Adrian Aregger, Leiter des NSNW-Standorts Oensingen, entwickelte einen speziellen Auflieger im Rahmen seiner Diplomarbeit. Zunächst kontaktierte er die französische Firma Snow-Kill, war jedoch mit deren Technologie nicht zufrieden. Zudem gab es Probleme mit der Zulassung in der Schweiz.

Daraufhin wandte er sich an den Schweizer Pacton-Importeur Toni Schürpf von S+S Nutzfahrzeuge in Pratteln. Da NSNW bereits vier Pacton-Auflieger im Einsatz hatte, war das Unternehmen mit dem niederländischen Hersteller und seinem Schweizer Händler vertraut.

Die Entwicklung verlief anschließend zügig: Innerhalb eines halben Jahres und nach vier Treffen mit Pacton und Zaugg, einem Hersteller von Schneepflügen, konnte der Prototyp in den Einsatz gebracht werden.

Der Ausbau von 4 auf 6 Spuren

Die NSNW steht vor der Herausforderung, mit begrenzten personellen Ressourcen und dem Ausbau der Autobahnen von vier auf sechs Spuren umzugehen. Der Einsatz einer Räumeinheit, die zwei Spuren gleichzeitig von Schnee befreit, bietet dabei eine erhebliche Erleichterung.

Durch die Kombination einer Sattelzugmaschine mit Frontschneepflug, einem Pacton-Auflieger, einem am Auflieger montierten Zaugg-Seitenschneepflug sowie einem Salz- und Solestreuer wird eine Räumbreite von 8 Metern erreicht.

Der Schneepflug SG50K von Zaugg wird an einer standardisierten Anbauplatte im Radstand des Aufliegers montiert und kann hydraulisch ein- und ausgeschwenkt werden. Dank der hydraulischen Verriegelung ist ein schneller An- und Abbau des Seitenschneepflugs möglich.

Gesamtgewicht 40 Tonnen

Der Auflieger ist mit mehreren Solebehältern ausgestattet. Sie versorgen nicht nur den Streuer am Heck mit Sole, sondern sorgen auch für eine bessere Gewichtsverteilung. Vorne sind 8 m³ Sole geladen, die etwa 8 Tonnen wiegen. Dieses Gewicht dient als Ballast, der genügend Druck auf die Antriebsachsen der Zugmaschine erzeugt, sodass der Auflieger nicht gegenlenken werden muss, um die Kräfte des Schneepflugs auszugleichen.

Der Pacton-Auflieger hat zwei Achsen mit einer Traglast von jeweils 10 Tonnen und darf einen maximalen Satteldruck von 16 Tonnen haben.

Mit einer Länge von 8,95 Metern kann der Pacton-Auflieger einen Schneepflug von 5,5 Metern aufnehmen. In der Schweiz darf die gesamte Kombination aus einer dreiachsigen Zugmaschine und einem zweiachsigen Auflieger maximal 40 Tonnen wiegen.

Aregger erklärt: „Eine Zugmaschine mit vier Achsen und einem 5 Meter langen Frontschneepflug darf nur bis zu 32 Tonnen wiegen. Zwar bleibt noch Platz für einen Seitenpflug, aber dieser dürfte höchstens etwa 2,5 Meter lang sein. Ein größerer Pflug würde das Gewicht überschreiten. Mit dem Pacton-Auflieger können wir jedoch einen Seitenpflug mit einer Länge von 5,5 Metern verwenden.“

Befahrbarkeit der Verkehrsadern gewährleisten

Die NSNW (Nationalstrassen Nordwestschweiz AG) mit Hauptsitz in Sissach sorgt mit rund 200 Mitarbeitenden für sichere und verfügbare Strassen. Ihr Zuständigkeitsbereich umfasst die Autobahnen A1, A2, A3, A5, A18 und A22, dies sind wichtige Verkehrsadern für die Wirtschaft und Mobilität in der Schweiz. Das Unternehmen stellt sicher, dass Fahrbahnen, Grünflächen, Tunnels und Nebenanlagen stets in einwandfreiem Zustand sind, damit Menschen und Güter sicher ihr Ziel erreichen. Zudem kümmert sich die NSNW um kleinere Reparaturen, die durch Unfälle, Unwetter oder durch den Betrieb entstanden sind.

Dabei ist die Effizienz entscheidend, um die Sicherheit und den optimalen Verkehrsfluss zu gewährleisten. Auch bei schlechtem Wetter, wie Sturm oder Schnee, ist die NSNW rund um die Uhr im Einsatz. Im Winter sorgen bis zu 45 Fahrzeuge der NSNW dafür, dass die Straßen sicher bleiben. Im Durchschnitt werden pro Winter etwa 4.000 Tonnen Salz und 2,5 Millionen Liter Sole verbraucht.

Zwei Fahrbahnen statt einer

Der Test des ersten Prototyps konnte inzwischen erfolgreich abgeschlossen werden. Im vergangenen Winter wurde der Aufliegerseitenpflug von Pacton und Zaugg auf der Gotthardstrecke getestet. Diese Strecke stellt aufgrund ihrer geographischen Lage und des anspruchsvollen Geländes eine große Herausforderung dar. Aregger und sein Team sind mit den Ergebnissen des Tests sehr zufrieden. „Der Test verlief äußerst positiv“, erklärt Aregger. „Mit der Kombination aus Zugmaschine, Auflieger und Seitenpflug können wir jetzt zwei Fahrbahnen gleichzeitig räumen und streuen. Früher war es nur möglich, eine Fahrbahn zu räumen. Somit können wir einen Mitarbeiter und ein Fahrzeug einsparen.“

In diesem Jahr plant das Unternehmen, einen zweiten Auflieger in Betrieb zu nehmen. Dieser wird etwas kürzer sein als der Erste und anstelle einer Aktivlenkung wird eine Zwangslenkung verbaut. „Abgesehen von dieser Änderung hat der Auflieger bereits hervorragend funktioniert“, betont Aregger. „Für den Bau des Aufliegers haben wir überwiegend Standardgeräte verwendet, wie zum Beispiel den Schneepflug und den Salzstreuer. Die Herausforderung bestand darin, alles in einem einzigen Chassis geschickt zusammenzubauen. Hier kam Pacton ins Spiel und hat einen entscheidenden Beitrag zur Lösung dieser Aufgabe geleistet. Das Ziel ist es, insgesamt sechs dieser Auflieger im Einsatz zu haben, um die Effizienz und Effektivität weiter zu steigern.“ Aregger und die NSNW blicken auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Partnern Pacton und Zaugg zurück, die maßgeblich an der Entwicklung dieses innovativen Aufliegers beteiligt waren. Dank des Engagements und der engen Zusammenarbeit aller Beteiligten konnte ein hervorragendes Ergebnis erzielt werden. Aregger ist gespannt, ob der Aufliegerseitenpflug auch das Interesse anderer Strassenunterhaltsdienste weckt und sich als Lösung für weitere Unternehmen etabliert.